<<zurück | 04.06.2012

Photovoltaik treibt Strompreise?

Die Strompreisentwicklung zeigt steil nach oben. Nicht alle Erklärungs-, man könnte auch sagen Rechtfertigungsversuche, sind korrekt. Die These, dass die EEG-Umlage entscheidend zu dieser Preissteigerung beiträgt, ist ein solches Beispiel: Der Brutto-Strompreis für Privathaushalte stieg seit dem Jahr 2000 um 10 ct pro kWh. Die EEG-Umlage hingegen stieg im gleichen Zeitraum um "nur" 3,3 ct pro kWh. Der Großteil der Strompreissteigerung kann somit nicht mit der EEG-Umlage begründet werden. Dies zeigt sich besonders deutlich im Jahr 2012: obwohl die EEG-Umlage praktisch konstant bleibt (Anstieg von 3,53 auf 3,59 ct/kWh) haben die Stromversorger erneut eine etwa 4%ige Preiserhöhungen angekündigt.

Der Umstieg auf erneuerbare Energien wird nicht umsonst zu bekommen sein. Wer die Rechnung bezahlen wird, das entscheidet die Politik. So wurden energieintensive Industriebetriebe mit einem hohen Stromkostenanteil weitgehend von der EEG-Umlage befreit. Diese Regelung soll zukünftig sogar ausgeweitet werden. Dies erhöht die Belastung für andere Stromkunden, insbesondere für Privathaushalte, auf die knapp 30% des gesamten Stromverbrauchs entfällt. Energieintensive Unternehmen hingegen profitieren von der Einspeisung von Solar- und Windstrom, weil das höhere Angebot die Preise an der Leipziger Strombörse senkt (Merit Order Effekt). Die Agentur für Erneuerbare Energien schätzt, dass der Merit Order Effekt im Jahr 2009 die Stromkosten an der Leipziger Börse um insgesamt circa 3,1 Mrd. Euro gesenkt hat. Umgelegt auf den gesamten Stromverbrauch des Jahres von ca. 500 TWh (Terawattstunden = 1012 Wattstunden) entspricht dies einer Preissenkung von ca. 0,6 ct pro kWh.

Quelle: "Photovoltaik in Deutschland - Missverständnisse in der öffentlichen Diskussion", Fraunhofer ISE, Presse Lunch 2.2.2012, Berlin