<<zurück | 15.02.2012

Solartechnik: Unkenrufe mit Hintergedanken

Es ist mal wieder so weit: mit schöner Regelmäßigkeit widmet sich ein Teil der Presse solarkritischer Berichterstattung. Um dem Thema Solartechnik gerecht zu werden, muss man es unter unterschiedlichen Gesichtspunkten betrachten. Dass daraus auch unterschiedliche Bewertungen resultieren ist natürlich. Die Gewinnung und der Einsatz von Energie sind jedoch von so großer Bedeutung für die Zukunft einer lebenswerten Umwelt ebenso wie für die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Deutschland, dass sich das Thema für tendenzielle Berichterstattung nicht eignet.

Als Solarspezialisten begleiten wir die Entwicklung der Solartechnik seit vielen Jahren. Den gängigsten Thesen, man kann auch sagen Vorurteilen, möchten wir einige Aspekte aus unserem Wissen und unserer Erfahrung hinzufügen:

1. These: Solarenergie macht Strom für die deutsche Industrie teuer

Solarenergie wird vor allem in der Mittagszeit in die Stromnetze eingespeist. Das ist gleichzeitig auch Hochverbrauchszeit. Dementsprechend wird in dieser Zeit weniger konventioneller Atom- oder Kohlestrom benötigt, denn Energie aus erneuerbaren Energiequellen genießt in Deutschland den so genannten Einspeisevorrang. Damit unterliegt der Preis für Solarenergie nicht den marktüblichen Regeln von Angebot und Nachfrage. Da immer das günstigste Kraftwerk den Preis bestimmt (Merit-Order-Prinzip), wird dadurch der gesamte benötigte Strom billiger. Ein Anstieg der Strompreise in der Mittagszeit bleibt somit aus, was dazu führt, dass die Kilowattstunde auf den gesamten Tag gerechnet zwischen 0,4 und 0,6 Cent weniger kostet. Einer Studie des IZES (Institut für Zukunfts-Energie-Systeme) zu Folge wurden dadurch 2011 Kosten in Höhe von etwa 520 bis 840 Millionen Euro eingespart. Profitiert haben davon aber vor allem industrielle Großkunden sowie Strom-Großhändler. Beim privaten Verbraucher ist diese Ersparnis nach Einschätzung der Studie nicht angekommen, denn der Strompreis für Endverbraucher orientiert sich selten am Strombörsenpreis, sondern resultiert aus den langfristigen Lieferverträgen der Stromversorger. Für Verbraucher bedeutet der billige Solarstrom jedoch eher eine Verteuerung, denn bei niedrigen Börsenpreisen steigt die Differenz zur garantierten Einspeisevergütung für Solarenergie. Diese Lücke wird von allen Stromverbrauchern in Deutschland über die so genannte EEG-Umlage, diese ist Teil des Strompreises, geschlossen. Während also Verbraucher mehr für ihren Strom zahlen müssen, profitieren große Industriekunden doppelt vom Solarstrom. Denn neben den günstigen Einkaufspreisen sind diese ab einem bestimmten Stromverbrauch von der Zahlung der EEG-Umlage befreit.

2. These: Atomkraft ist billig und sicher

Laut einer Greenpeace-Studie flossen rund 204 Milliarden Euro Fördergelder in die Atomenergie, seit in den fünfziger Jahren die ersten Pläne zur Nutzung der Kernenergie in Deutschland entstanden. Die größten Posten bilden Zuschüsse für Forschung und Entwicklung sowie Steuervergünstigungen für AKW-Betreiber. Das ergibt im Durchschnitt der vergangenen 60 Jahre eine Förderung jeder Kilowattstunde Strom aus Kernkraftwerken von 4,3 Cent. Die Subventionen lägen noch weitaus höher, wenn die Risiken der Atomkraftnutzung in die Berechnung einbezogen würden. Welche Kosten ein Unfall in einem deutschen AKW verursachen würde, sei aber nicht exakt zu berechnen. Berücksichtigt an diese Aspekte, ist Atomkraft nicht nur die gefährlichste, sondern auch die teuerste Form der Stromerzeugung.

3. These: Die Energiewende führt die Stromnetze an ihre Grenzen

Als vor knapp einem Jahr die Energiewende beschlossen wurde, hagelte es Warnungen und Horrorszenarien: In Deutschland wird der Strom knapp, hieß es, es würde zu Blackouts kommen, in einem strengen Winter könnten die Stromnetze zusammenbrechen. Nichts davon ist eingetreten. Selbst Umweltminister Norbert Röttgen folgert im Interview mit den Nürnberger Nachrichten daraus, dass der gestiegene Anteil an Ökostrom nicht zu Stromausfällen führt, sondern im Gegenteil zur Netzstabilität beiträgt. Solarstrom aus Anlagen auf Privathäusern entlastet das Netz in Ballungsgebieten, da nach unserer Erfahrung im Schnitt 30 Prozent des Solarstroms selbst verbraucht wird. Dafür erhält der Kunden einen Bonus, der die EEG-Umlage gleichzeitig wesentlich weniger belastet.

Fazit: Die Energiewende ist sicher nicht um sonst, aber der Preis ist nicht so hoch wie von manchen Seiten gerne propagiert wird.